Puh, das ist ja gerade noch einmal gut gegangen, mag so mancher meinen, nachdem er die Empfehlungen des Arbeitskreises VI beim Verkehrsgerichtstag in Goslar zur Kenntnis genommen hat. Vorsicht ist hier ganz sicher angebracht, denn vergessen werden darf nicht, dass da noch eine ad hoc-Arbeitsgruppe, eingesetzt von Herrn Verkehrsminister Patrick Schnieder, herumwerkelt. Und deren Ideen klingen gar nicht gut und stehen im krassen Gegensatz zu den Empfehlungen des Arbeitskreises VI beim Verkehrsgerichtstag. Nach Meinung dieser ministeriellen Arbeitsgruppe, das heißt, die Fachebene, ist an den Gesprächen nicht beteiligt, soll Laienausbildung etabliert werden, die Anzahl der Fahrstunden in Fahrschulen gedeckelt werden, die Pflicht zum Präsenzunterricht gestrichen werden. Ebenso wie es Minister Schnieder auf dem Fahrlehrerkongress verkündet hat. Gespannt sein darf man darauf, wie das alles bei gleichbleibender Ausbildungsqualität und Sicherheit für die Bürger der Bundesrepublik geschehen soll.
Wir, die Fachebene in Sachen Fahrausbildung, die Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen in Deutschland wissen, dass dieser Unfug niemals funktionieren kann! Unter dem Deckmantel der Daseinsvorsorge wird jedoch jedes sachliche Argument von Minister Schnieder und seinem Einflüsterer, Staatssekretär Christian Hirte, beiseite gewischt. Dabei liegt es doch auf der Hand, dass Daseinsvorsorge auch oft eine Zumutung darstellt. Ein Blick zum ÖPNV beweist die Richtigkeit dieser These. Ticketpreise von mehr als 2 Euro für eine Stadtfahrt mit dem Bus oder mehr als 14 Euro für eine einfache einhundert Kilometer Fahrt mit der S-Bahn sind an der Tagesordnung. Aber die Fahrausbildung, von der ein Bürger ein Leben lang profitiert, mit der er Verdienst, Lebensinhalte und Lebensziele erreicht, soll billiger werden, auf Kosten der Sicherheit, versteht sich!
Da stimmt was nicht in der Gedankenwelt des Ministers. Und deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns weiter in dieser Zeit fest zusammen stehen. Wehren wir uns weiter gegen die größte Deregulierungskampagne in Deutschland, bezüglich der Fahrausbildung. In der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände finden Sie dabei einen absolut verlässlichen Partner. Dabei glänzt die BVF nicht durch lautes Geschrei, sondern durch kluge Argumentation, wie auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar und auf der BVF-Internetseite www.lebenistunbezahlbar.de bewiesen.
Mit Ihrer Beteiligung wollen wir dabeibleiben und unsere Aktionen sinnvoll weiter ausdehnen. Ein Blick nach Brandenburg sei dabei erlaubt. Unsere Argumente werden, so unsere Überzeugung, bei klugen Entscheidungsträgern Gehör finden. Vorschläge Ihrerseits, wie man die Fahrausbildung ohne Sicherheitsverlust straffen und besser machen kann, sind dabei jederzeit willkommen.
Ihr Harry Bittner