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Studie zur Lage der Automobilindustrie: Branche in struktureller Krise

04.02.2026 14:20 Uhr | Lesezeit: 5 min
Deutsche Neuwägen am Güterzug
Die Branche hat die Krise erkannt. Jetzt muss zeitnah gehandelt werden (Symbolbild)
© Foto: picture alliance / dpa | Matthias Balk

Die neue Studie "Automobilindustrie 2026: Restrukturierung als Überlebensprinzip" zeigt: Große Teile der Branche befinden sich bereits in einer akuten wirtschaftlichen Schieflage.

München/Heidelberg (ots) - Die deutsche Automobilindustrie steht vor einer strukturellen Zäsur. Die neue Studie "Automobilindustrie 2026: Restrukturierung als Überlebensprinzip" zeigt: Große Teile der Branche befinden sich bereits in einer akuten wirtschaftlichen Schieflage - mit steigenden Insolvenzraten, massiver Unsicherheit an den Standorten und wachsendem Handlungsdruck auf Management und Eigentümer. Basis der Studie ist eine Befragung von 518 Führungskräften und Branchenexperten (Frühjahr bis Herbst 2025); Herausgeber und Autoren sind Executive Interim Partners (EIP), Porsche Consulting und das IfUS-Institut (SRH University Heidelberg).

"Die deutsche Automobilindustrie steht nicht vor einer Transformation - sie steckt mitten in einer strukturellen Krise. Wer jetzt nicht konsequent handelt, riskiert den dauerhaften Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und industrieller Substanz", sagt der Restrukturierungsexperte Michael Hengstmann, Gründer und Partner von Executive Interim Partners und Co-Autor der Studie.

Vier Kernaussagen der Studie - und was sie für Unternehmen bedeuten:

  • Die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einer strukturellen Krise

Die Studienergebnisse zeichnen ein alarmierendes Bild: Mehr als die Hälfte der Unternehmen der deutschen Automobilindustrie befindet sich bereits in einer Krise, fast Drei Viertel davon in akuter Liquiditätsnot oder in unmittelbarer Nähe zur Insolvenz. Die wirtschaftliche Stabilität, die die Branche über Jahrzehnte ausgezeichnet hat, ist in weiten Teilen verloren gegangen. Die Krise betrifft OEMs ebenso wie große Teile der industriellen Wertschöpfungskette und ist nicht auf einzelne Marktsegmente beschränkt.

  • Wettbewerbsdruck aus China trifft auf Überkapazitäten, volatile Abrufe und politische Unsicherheit - das macht die Krise strukturell

Die Ursachen der Krise verstärken sich gegenseitig: Mehr als vier von fünf Unternehmen sehen neue Wettbewerber - insbesondere aus China -, eine strukturelle Unterauslastung der Produktionskapazitäten sowie stark volatile Abrufe als zentrale Belastungsfaktoren. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und eine zunehmende regulatorische Unsicherheit. Diese Gemengelage entzieht vielen Geschäftsmodellen die wirtschaftliche Planungsgrundlage und beschleunigt den Strukturbruch der Branche.

  • Harte Restrukturierungsmaßnahmen gelten mehrheitlich als unvermeidlich - inklusive Standortanpassungen und Verlagerungen ins Ausland

Die Branche selbst zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Rund 90 Prozent der Befragten fordern eine tiefgreifende Restrukturierung der deutschen Produktions- und Entwicklungsstandorte der Automobilindustrie. 60 Prozent halten Werksschließungen und Verlagerungen ins Ausland für einen unvermeidbaren Teil der Lösung. Der Glaube an schrittweise Effizienzprogramme ist weitgehend verloren gegangen - gefragt sind grundlegende Entscheidungen zu Footprint, Kostenstrukturen und Wertschöpfungstiefe.

  • Ohne kurzfristige Stärkung des Managements ist die Krise nicht zu bewältigen

Als zentralen Erfolgsfaktor identifiziert die Studie die Führungsebene: 88 Prozent der Befragten sehen die gezielte Stärkung der Managementkompetenz - insbesondere in den Bereichen Restrukturierung und Internationalität - als entscheidenden Hebel zur Bewältigung der Krise. Zwar verfügen viele Unternehmen über Strategien und Transformationspläne, doch scheitert deren Umsetzung häufig an Erfahrung, Geschwindigkeit und Durchsetzungskraft im operativen Krisenmanagement.

"Die Industrie hat ihre Lage erkannt. Was fehlt, ist die Fähigkeit, Restrukturierung schnell, konsequent und international wirksam umzusetzen. Managementqualität entscheidet jetzt über Zukunft oder Bedeutungsverlust", so Hengstmann.

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