Die Diskussion um eine mögliche Überlastung der Stromnetze durch Elektroautos konzentriert sich häufig auf die Abendstunden. Eine aktuelle Analyse des Ladeinfrastruktur-Anbieters Monta zeichnet jedoch ein anderes Bild. Demnach laden E-Auto-Fahrer in Deutschland deutlich häufiger in den frühen Morgenstunden als nach Feierabend.
Grundlage der Untersuchung sind mehr als 1,5 Millionen anonymisierte Ladevorgänge zwischen Januar und Juli 2026 an über 250.000 Ladepunkten in Deutschland.
Morgens statt zur Feierabendzeit
Nach Angaben von Monta entfielen lediglich 12,4 Prozent aller Ladevorgänge auf den Zeitraum zwischen 18 und 20 Uhr. Die höchste Aktivität wurde dagegen am Morgen registriert: Rund 21 Prozent aller Ladevorgänge starteten zwischen 6 und 8 Uhr.
Die Daten sprechen damit gegen die häufig geäußerte Annahme, dass E-Auto-Besitzer ihre Fahrzeuge überwiegend direkt nach der Heimkehr anschließen und dadurch Lastspitzen im Stromnetz verursachen.
Intelligentes Laden entlastet Netze
Die Auswertung zeigt zudem, dass intelligentes Lastmanagement zur weiteren Entlastung der Stromnetze beitragen kann. Bei Ladevorgängen mit aktivierter Smart-Charging-Funktion lag die durchschnittlich geladene Energiemenge deutlich unter dem Wert konventioneller Ladevorgänge.
Möglich wird dies durch eine gezielte Steuerung der Ladezeiten und Ladeleistungen. Dabei werden verfügbare Kapazitäten dynamisch verteilt und Ladevorgänge bevorzugt in Zeiten mit geringerer Netzauslastung verlagert.
Potenzial für die Energiewende
Nach Einschätzung des Unternehmens ist das Potenzial intelligenter Ladelösungen bislang noch längst nicht ausgeschöpft. Der Großteil der Ladevorgänge erfolgt weiterhin ohne ein aktives Lastmanagement.
Ein breiterer Einsatz entsprechender Systeme könnte dazu beitragen, Netzausbaukosten zu begrenzen und gleichzeitig die Integration von Elektromobilität in das Energiesystem zu erleichtern.
Regulierung und Netzstabilität
Die Debatte um die Steuerbarkeit von Ladevorgängen hat in Deutschland zuletzt an Bedeutung gewonnen. Hintergrund sind gesetzliche Regelungen wie §14a des Energiewirtschaftsgesetzes, die eine netzdienliche Steuerung bestimmter Verbrauchseinrichtungen ermöglichen.
Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass intelligente Ladeinfrastruktur bereits heute einen Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze leisten kann.
Elektromobilität verändert den Energieverbrauch
Mit der steigenden Zahl von Elektrofahrzeugen wächst auch die Bedeutung digitaler Steuerungssysteme. Experten gehen davon aus, dass intelligente Ladeprozesse künftig eine zentrale Rolle spielen werden, um Netzstabilität, Energieeffizienz und Nutzerkomfort miteinander zu verbinden.
Die Analyse zeigt zudem, dass das tatsächliche Ladeverhalten von E-Autofahrern teilweise deutlich von den häufig diskutierten Belastungsszenarien abweicht.