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Stillstand auf der Autobahn: Das gilt bei einer Vollsperrung

04.08.2026 13:25 Uhr | Lesezeit: 5 min
TV-NRW Autobahnstau
Wenn mal gar nichts mehr geht, kann es sich um eine Sperrung handeln (Symbolbild)
© Foto: picture alliance / ABBfoto

Mitten in der Sommerferienzeit sind viele Autobahnen besonders stark belastet. Hohes Verkehrsaufkommen, Baustellen und Unfälle können lange Staus verursachen. Muss eine Strecke nach einem schweren Unfall oder wegen aufwendiger Bergungsarbeiten vollständig gesperrt werden, kommt der Verkehr mitunter für mehrere Stunden zum Erliegen.

Köln (ots) - Für Autofahrer beginnt dann eine Geduldsprobe, zumal zunächst häufig ungewiss ist, wann es weitergeht. Der ACV Automobil-Club Verkehr erklärt, wie sich Autofahrer bei einer Vollsperrung richtig verhalten, was im Stau erlaubt ist und welche Dinge im Auto nicht fehlen sollten.

Warum werden Autobahnen plötzlich voll gesperrt?

Nicht jede Vollsperrung entsteht überraschend. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Vollsperrungen: geplante und spontane Sperrungen.

Geplante Vollsperrungen gibt es zum Beispiel bei großen Baustellen, Brückenarbeiten oder wenn eine Fahrbahn erneuert wird. Sie werden meist frühzeitig angekündigt, etwa über Verkehrsmeldungen, Umleitungsschilder oder elektronische Anzeigetafeln.

Anders ist es, wenn eine Autobahn ungeplant komplett gesperrt werden muss. Dahinter stecken meist ganz unterschiedliche Ursachen. Typische Gründe sind schwere Verkehrsunfälle, Gefahrgutunfälle oder ausgelaufene Stoffe, aufwendige Bergungsarbeiten mit Kränen, beschädigte Fahrbahnen oder Brücken oder extreme Wetterlagen wie Eisregen oder starke Stürme.

Wie lange eine Vollsperrung dauert, lässt sich pauschal nicht vorhersagen. Kleinere Unfälle sind oft innerhalb kurzer Zeit geräumt. Nach schweren Unfällen, Gefahrgutunfällen oder aufwendigen Bergungsarbeiten kann eine Sperrung jedoch mehrere Stunden dauern.

Was viele Autofahrer nicht wissen: Nach schweren Unfällen bleibt eine Autobahn häufig auch deshalb lange gesperrt, weil die Polizei den Unfall dokumentieren, Spuren sichern und den Unfallhergang möglichst genau klären muss. Bei besonders schweren oder komplexen Unfällen können zusätzlich Sachverständige hinzugezogen werden. Diese wichtige Unfallaufnahme kann die Wartezeit für Autofahrer zusätzlich verlängern.

Wie verhalten sich Autofahrer bei einer Vollsperrung richtig?

Wenn der Verkehr plötzlich zum Stillstand kommt, ist zunächst Geduld gefragt. Über die Dauer einer Vollsperrung gibt es anfangs oft noch keine verlässlichen Informationen. Verkehrsfunk oder Navigations-Apps informieren jedoch regelmäßig über die aktuelle Verkehrslage und neue Entwicklungen.

Ganz entscheidend: Die Rettungsgasse muss sofort gebildet werden, sobald der Verkehr stockt oder nur noch mit Schrittgeschwindigkeit rollt. Sie entsteht zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen. Wer also auf dem linken Fahrstreifen unterwegs ist, weicht nach links aus. Wer auf einem der übrigen Fahrstreifen unterwegs ist, fährt nach rechts.

Ebenso wichtig ist es, auch bei stockendem Verkehr ausreichend Abstand zum Vordermann einzuhalten. Selbst im Stillstand sollten Autofahrer nicht zu dicht auffahren, damit Rettungsfahrzeuge notfalls rangieren können.

Gerade am Stauende besteht ein hohes Risiko durch auffahrende Fahrzeuge. Wenn Autofahrer bemerken, dass sich der Verkehr abrupt verlangsamt oder sie sich einem Stauende nähern, sollten sie kurzzeitig den Warnblinker einschalten. So werden nachfolgende Fahrer frühzeitig gewarnt.

Und noch ein Punkt, den viele unterschätzen: Auch wenn sich eine Vollsperrung über Stunden hinziehen kann, sollten Autofahrer im Fahrzeug aufmerksam bleiben. Der Verkehr kann sich jederzeit wieder in Bewegung setzen. Fahrer sollten deshalb nicht einschlafen, sondern jederzeit reagieren können.

Wie lässt sich die Wartezeit bei einer Vollsperrung vorbereiten?

Auf eine Vollsperrung selbst können sich Autofahrer kaum vorbereiten. Ob schwerer Unfall oder Bergungsarbeiten: Solche Ereignisse entstehen meist unerwartet und lassen sich weder vorhersagen noch vermeiden. Autofahrer können jedoch dafür sorgen, dass sie auch bei einer mehrstündigen Wartezeit gut versorgt sind.

Schon mit wenigen Dingen, die dauerhaft im Auto liegen, lassen sich mehrere Stunden Stillstand deutlich angenehmer überbrücken. Ausreichend Getränke, haltbare Snacks oder eine Decke können dabei genauso hilfreich sein wie ein geladenes Smartphone oder wichtige Medikamente.

Besonders wenn Kinder mitfahren, lohnt es sich, eine kleine Notfallausstattung im Auto zu haben. Viele der Dinge helfen übrigens nicht nur bei einer Vollsperrung, sondern auch bei einer Panne oder einem längeren Stau.

Ist Aussteigen bei einer Vollsperrung erlaubt?

Wenn eine Vollsperrung mehrere Stunden dauert, möchten viele Autofahrer zumindest kurz aussteigen, sich die Beine vertreten oder auf die Toilette gehen. Grundsätzlich gilt jedoch: Das Betreten der Autobahn ist für Fußgänger verboten. Zulässig ist das Aussteigen jedoch, wenn eine Unfallstelle abgesichert werden muss. In einer akuten gesundheitlichen Notlage kann es ebenfalls gerechtfertigt sein, das Fahrzeug zu verlassen.

Bei langen Vollsperrungen wird kurzes Aussteigen in der Praxis mitunter zwar geduldet. Eine grundsätzliche Erlaubnis besteht jedoch nicht. Wer das Fahrzeug aufgrund einer besonderen Situation dennoch kurz verlassen muss, sollte in unmittelbarer Nähe bleiben, die Rettungsgasse jederzeit freihalten und die Autobahn nicht zum Aufenthaltsort machen, etwa für Spaziergänge, das Gassigehen mit dem Hund oder das Aufstellen von Campingstühlen.

Toilette im Wohnmobil: Was gilt bei einer Vollsperrung?

Für Mitfahrer bietet ein Wohnmobil mit einer vom Innenraum zugänglichen Toilette bei einer Vollsperrung einen praktischen Vorteil: Bei längerem vollständigem Stillstand kann die Toilette genutzt werden, ohne das Fahrzeug zu verlassen und die Autobahn zu betreten. Ein Fahrer sollte währenddessen aber am Steuer bleiben und jederzeit bereit sein, wieder anzufahren.

Sobald sich der Verkehr bewegt, müssen alle Insassen auf den dafür vorgesehenen Sitzplätzen sitzen und angeschnallt sein. Der Gang zur Toilette ist während der Fahrt nicht erlaubt.

Bei einem Wohnwagen ist die Situation anders. Um dessen Toilette zu erreichen, müssten die Insassen das Zugfahrzeug verlassen und die Autobahn betreten. Das ist grundsätzlich verboten. Die Toilette im Wohnwagen sollte während einer Vollsperrung deshalb nicht genutzt werden.

Darf der Standstreifen bei einer Vollsperrung genutzt werden?

Grundsätzlich nein. Der Standstreifen ist für Pannenfahrzeuge und Rettungskräfte freizuhalten und darf nicht zum Umfahren des Staus genutzt werden. Ausnahmen gelten, wenn Verkehrszeichen die Nutzung erlauben, die Polizei ausdrücklich dazu auffordert oder ein Ausweichen auf den Standstreifen erforderlich ist, um eine Rettungsgasse zu bilden.

Eigenmächtiges Wenden und Rückwärtsfahren sind ebenfalls verboten. Nur wenn die Polizei die Fahrzeuge bei einer länger andauernden Vollsperrung kontrolliert zurückführt, darf ihren ausdrücklichen Anweisungen gefolgt werden.

Wer den Standstreifen als schnellen Ausweg missbraucht, riskiert empfindliche Bußgelder. Außerdem können lebensrettende Minuten für schwer verletzte Personen verloren gehen, wenn Autofahrer diese wichtige Rettungsstraße blockieren.

Darf der Motor bei einer Vollsperrung laufen?

Ist absehbar, dass es bei einer Vollsperrung längere Zeit nicht weitergeht, sollten Autofahrer den Motor ausschalten. Fahrzeugmotoren dürfen im Stand nicht unnötig laufen, um vermeidbare Abgase und unnötigen Lärm zu vermeiden. Außerdem lässt sich so Kraftstoff sparen.

Bei extremer Hitze oder Kälte kann der Betrieb von Klimaanlage oder Heizung jedoch erforderlich sein, um gesundheitliche Gefahren zu vermeiden. Der Motor sollte dann nur so lange wie unbedingt nötig laufen.

Wichtig zu wissen: Wer ein Smartphone, Tablet oder ein anderes elektronisches Gerät in die Hand nehmen möchte, darf dies nur tun, wenn das Fahrzeug steht und der Motor vollständig ausgeschaltet ist. Das automatische Abschalten durch eine Start-Stopp-Automatik genügt ebenso wenig wie das bloße Ruhen des elektrischen Antriebs eines E-Autos.

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