Zum 44. mal hat der Automobilclub KS e.V. den Energie- und Umweltpreis verliehen. Es wurden dabei wieder Unternehmen ausgezeichnet, die mit innovativen Lösungen zur Transformation des Mobilitätssektors beitragen. Die Preisverleihung fand letzten Freitag in der Alten Kongresshalle in München statt.
In der Kategorie Fahrzeugtechnik wurde Accurec Recycling für seine hocheffiziente Batterierecycling-Technologie geehrt, in der Kategorie Mobilitätssysteme erhielt Karos Mobility den Preis für seine intelligente Mitfahrplattform. Beide Unternehmen stehen beispielhaft für unterschiedliche, aber ebenso wichtige Ansätze für den Weg zu einer nachhaltigeren Mobilität.
Automobilclub KS-Präsident Ole Eilers betonte bei der Preisverleihung, dass der Preis seit Jahrzehnten Innovationen würdigt, die einen konkreten Beitrag zur Modernisierung und Nachhaltigkeit des Verkehrs leisten. Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter hob in seiner Video-Botschaft die Bedeutung der ausgezeichneten Projekte hervor. Sie zeigten, wie technologische Innovation, Nachhaltigkeit und Marktnähe erfolgreich zusammenwirken können. Moderne Mobilität brauche sowohl technische Lösungen zur Schonung von Ressourcen als auch intelligente Konzepte, die Mobilität für möglichst viele Menschen zugänglich machen.
Die Festrede hielt Prof. Dr. Helge Stein von der Technischen Universität München. Der Wissenschaftler machte deutlich, dass nachhaltiger Fortschritt häufig nicht durch völlig neue Systeme entstehe, sondern durch die intelligente Weiterentwicklung bestehender Strukturen. Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und die bessere Nutzung bereits vorhandener Verkehrsmittel seien zentrale Hebel, um die Mobilitätswende voranzubringen. Nach seiner Auffassung entsteht echter Fortschritt dort, wo bestehende Hürden reduziert werden und nachhaltige Lösungen einfacher nutzbar werden.
Accurec Recycling: Rohstoffe aus Altbatterien
Der Preis in der Kategorie Fahrzeugtechnik ging an Accurec Recycling aus Krefeld. Das mittelständische Unternehmen hat sich auf das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien sowie weiterer wertvoller Rohstoffe spezialisiert. Dabei können unter anderem Lithium, Nickel und Kobalt mit sehr hohen Rückgewinnungsquoten zurückgewonnen werden.
Die Jury würdigte die Technologie als wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und zur Verringerung der Abhängigkeit Europas von Rohstoffimporten. Mit dem wachsenden Bestand an Elektrofahrzeugen und dem damit steigenden Bedarf an Batterien gewinnt das Recycling strategisch wichtiger Rohstoffe zunehmend an Bedeutung. Das Verfahren von Accurec trägt dazu bei, wertvolle Ressourcen im Wirtschaftskreislauf zu halten und gleichzeitig den Bedarf an Primärrohstoffen zu reduzieren.
Für Unternehmensgründer und Geschäftsführer Dr. Reiner Sojka ist die Auszeichnung eine Bestätigung langjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Zugleich versteht das Unternehmen den Preis als Ansporn, weitere Innovationen im Bereich des Batterierecyclings voranzutreiben. Ziel bleibt es, den Übergang von linearen zu zirkulären Wirtschaftsmodellen zu beschleunigen und damit sowohl die Versorgungssicherheit als auch den Klimaschutz zu stärken.
Karos Mobility: Fahrgemeinschaften als Ergänzung zum ÖPNV
In der Kategorie Mobilitätssysteme überzeugte Karos Mobility. Das Unternehmen entwickelt digitale Mitfahrnetzwerke, die besonders auf die Bedürfnisse von Pendlern in ländlichen und vorstädtischen Regionen zugeschnitten sind. Herzstück des Systems ist eine KI-gestützte App, die Fahrgemeinschaften in Echtzeit organisiert und Nutzer mit ähnlichen Fahrtrouten zusammenbringt.
Der Ansatz nutzt vorhandene Fahrzeuge und freie Sitzplätze effizienter, wodurch Leerfahrten reduziert, Kosten gesenkt und CO2-Emissionen vermieden werden können. Besonders hervorgehoben wurde die enge Verzahnung mit bestehenden Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs. Karos arbeitet dabei mit Kommunen, Regionen, Unternehmen und Verkehrsverbünden zusammen und bindet seine Lösungen teilweise direkt in bestehende ÖPNV-Angebote wie das Deutschlandticket ein. In München ist zum Beispiel die MVG, die Münchner Verkehrsgesellschaft, eingebunden.
Die Jury lobte vor allem den pragmatischen Charakter der Lösung. Anstatt neue Infrastruktur aufzubauen, nutzt Karos bereits vorhandene Ressourcen und schafft so zusätzliche Mobilitätsangebote dort, wo Bus- und Bahnverbindungen oft nur eingeschränkt verfügbar sind. Nach Ansicht des Unternehmens geht der Nutzen solcher Fahrgemeinschaften weit über Umweltaspekte hinaus: Sie entlasten Pendler finanziell, fördern soziale Kontakte und verbessern die Mobilität in Regionen mit geringer Verkehrsanbindung.
Preisgeld für gesellschaftliches Engagement
Der KS Energie- und Umweltpreis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. Traditionell entscheiden die Preisträger selbst über die Verwendung des Preisgeldes. Accurec Recycling spendet seinen Anteil von 10.000 Euro zu gleichen Teilen an die Organisation Agora Verkehrswende sowie an die Kummer-Vanotti-Stiftung. Die Berliner Denkfabrik Agora Verkehrswende setzt sich für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors ein. Die Kummer-Vanotti-Stiftung fördert Umweltkunstprojekte und engagiert sich unter anderem für Wiederaufforstungsmaßnahmen.
Karos Mobility stellte seine 10.000 Euro dem Verein down-syndrom köln e.V. zur Verfügung. Der Verein unterstützt Menschen mit Down-Syndrom und ihre Familien durch Beratungsangebote, Freizeitaktivitäten und Maßnahmen zur gesellschaftlichen Teilhabe.
Preis mit aktueller Bedeutung
Die Aktualität des KS Energie- und Umweltpreises wird auch durch seine Geschichte unterstrichen. Die Auszeichnung wurde 1981 nach den Ölpreiskrisen ins Leben gerufen, um die Entwicklung energieeffizienterer und umweltschonender Technologien zu fördern. Angesichts aktueller geopolitischer Unsicherheiten sowie bestehender Abhängigkeiten bei Energie- und Rohstofflieferungen besitzt dieses Anliegen heute erneut hohe Relevanz.
Die diesjährigen Preisträger zeigen exemplarisch, wie moderne Mobilität gestaltet werden kann: durch die Rückgewinnung wichtiger Rohstoffe und durch intelligente Mobilitätskonzepte, die vorhandene Ressourcen effizient nutzen. Beide Ansätze verbinden ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele und liefern damit wichtige Impulse für ein nachhaltiges, widerstandsfähiges und zukunftsfähiges Mobilitätssystem.